Die Portugiesischen Briefe entfalten in fünf leidenschaftlichen Schreiben die Stimme einer verlassenen Nonne, die zwischen Hingabe, Selbstprüfung, Anklage und religiös gefärbter Verzweiflung schwankt. In ihrer rhetorischen Verdichtung, emotionalen Unmittelbarkeit und kunstvollen Wiederholung gehören sie in den Kontext der europäischen Brief- und Empfindsamkeitsliteratur des 17. Jahrhunderts. Das Werk verbindet barocke Affektkultur mit psychologischer Präzision und macht Begehren als sprachliches Ereignis sichtbar. Soror Mariana Alcoforado, eine portugiesische Klarissin aus Beja, gilt traditionell als Verfasserin dieser Briefe, die an einen französischen Offizier gerichtet sein sollen. Gerade ihre klösterliche Existenz, geprägt von Einschließung, Disziplin und spiritueller Selbstbeobachtung, verleiht der zugeschriebenen Autorschaft besondere Spannung. Die Forschung hat die Urheberschaft zwar kontrovers diskutiert, doch bleibt die Figur Mariana zentral für die Wirkungsgeschichte des Textes. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die frühe Formen weiblicher Subjektivität, die Poetik des Briefes und die Geschichte literarischer Leidenschaft erkunden möchten. Es ist zugleich ein schmales und außerordentlich intensives Werk, dessen Stimme über Jahrhunderte hinweg ihre verstörende Nähe bewahrt.
AmazonPagina's: 24, Paperback, Sharp Ink
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