Klabunds Rasputin entwirft das Bild des sibirischen Wanderpredigers Grigorij Jefimowitsch Rasputin als schillernde Figur zwischen Heiligkeit, Trieb, politischer Intrige und apokalyptischer Legende. Das Buch verdichtet die letzten Jahre des Zarenreiches zu einem dramatisch zugespitzten Panorama, in dem Mystik, Hofdekadenz und revolutionäre Vorzeichen ineinandergreifen. Klabunds Stil ist knapp, rhythmisch und szenisch; er verbindet expressionistische Zuspitzung mit historischer Kolportage und psychologischer Groteske. So erscheint Rasputin weniger als bloße historische Person denn als Symbol einer untergehenden Ordnung. Klabund, eigentlich Alfred Henschke, gehörte zu den eigenwilligsten Stimmen der deutschsprachigen Moderne. Geprägt von Krankheit, Bohème, Pazifismus und einer weit ausgreifenden Kenntnis europäischer wie asiatischer Literatur, suchte er immer wieder nach Gestalten, in denen sich geistige Ekstase und gesellschaftlicher Zerfall spiegeln. Seine Faszination für Außenseiter, Propheten, Verführer und Märtyrer findet in Rasputin einen besonders geeigneten Stoff. Zugleich dürfte die Erfahrung des Ersten Weltkriegs seinen Blick auf Macht, Aberglauben und politische Blindheit geschärft haben. Empfohlen sei dieses Buch allen Lesern, die historische Literatur nicht als bloße Rekonstruktion, sondern als Deutung eines Zeitalters verstehen. Klabunds Rasputin bietet keine nüchterne Biographie, sondern eine dichterische Diagnose von Charisma, Gewalt und Untergang.
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