Joseph Roths Roman "Rechts und Links" entfaltet ein scharf konturiertes Panorama der Weimarer Republik, in dem politische Lager, soziale Aufstiegsphantasien und moralische Orientierungslosigkeit ineinandergreifen. Im Zentrum stehen Paul Bernheim, Heimkehrer aus dem Krieg und Erbe bürgerlicher Sicherheiten, sowie Nikolai Brandeis, ein undurchsichtiger Emporkömmling aus dem Osten. Roths Prosa verbindet journalistische Präzision mit ironischer Menschenkenntnis; der Roman steht im Kontext jener Zwischenkriegsliteratur, die den Zerfall alter Ordnungen und die Verführbarkeit moderner Gesellschaften analysiert. Joseph Roth, 1894 in Brody geboren, war nicht nur Romancier, sondern einer der bedeutendsten Feuilletonisten seiner Zeit. Seine Erfahrungen als Soldat, Beobachter der Nachkriegsjahre, Reisender zwischen Ost und West und skeptischer Zeuge politischer Radikalisierung prägten seinen Blick auf nationale Ideologien und gesellschaftliche Maskenspiele. "Rechts und Links" schöpft aus dieser biographischen und historischen Nähe: Roth erkennt hinter Parteibegriffen die tieferen Bewegungen von Angst, Ehrgeiz, Entwurzelung und Opportunismus. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die politische Literatur nicht als Thesenprosa, sondern als genaue Kunst der Beobachtung schätzen. "Rechts und Links" ist ein hellsichtiger Roman über Macht, Identität und Selbsttäuschung, dessen Diagnose der Moderne bis heute beunruhigend aktuell bleibt.
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