Walter Scotts "Rob Roy" verbindet historischen Roman, Abenteuererzählung und Gesellschaftsstudie zu einem vielschichtigen Bild Großbritanniens im frühen 18. Jahrhundert. Im Zentrum steht Frank Osbaldistone, dessen private Bewährungsreise ihn von London in die politisch aufgeladene Grenz- und Hochlandwelt Schottlands führt. Scott entfaltet dabei den Konflikt zwischen Handel, Erbrecht, Jakobitentum und Clanordnung in einer Prosa, die realistische Milieuschilderung, romantische Spannung und antiquarische Genauigkeit meisterhaft verschränkt. Walter Scott, selbst Jurist, Historiker und schottischer Patriot, schrieb aus einer Epoche heraus, in der die kulturelle Eigenart Schottlands bereits vom modernen britischen Staat überformt wurde. Seine Kenntnis mündlicher Überlieferungen, regionaler Dialekte und historischer Umbrüche befähigte ihn, Rob Roy MacGregor nicht bloß als Räuber oder Volkshelden, sondern als ambivalente Figur zwischen Gesetzlosigkeit und archaischer Loyalität darzustellen. Persönliches Interesse an nationaler Erinnerung prägt den Roman entscheidend. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die historische Literatur nicht als bloße Kostümierung, sondern als Deutung gesellschaftlicher Übergänge schätzen. "Rob Roy" bietet dramatische Handlung, scharfe Charakterzeichnung und ein reflektiertes Verständnis politischer Identität. Wer Scott liest, begegnet einem Grundtext des europäischen historischen Romans.
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