Semona oder Schwarzes Blut verbindet Abenteuerhandlung, Liebes- und Familienkonflikt mit der zeittypischen Faszination für die amerikanische Fremde. Im Horizont der deutschsprachigen Amerika-Literatur des 19. Jahrhunderts entfaltet Strubberg eine episodische, spannungsreiche Erzählung, in der Herkunft, Hautfarbe, Begehren und gesellschaftliches Recht miteinander kollidieren. Sein Stil mischt melodramatische Zuspitzung, naturkundliche Anschaulichkeit und ethnographisch anmutende Beobachtung; zugleich macht der Text die problematischen Rassenvorstellungen seiner Epoche sichtbar. Friedrich Armand Strubberg, 1806 in Kassel geboren und später unter dem Namen Armand bekannt, gehörte zu jenen Autoren, deren Schreiben aus unmittelbarer transatlantischer Erfahrung erwuchs. Lange Aufenthalte in Nordamerika, besonders in Texas, seine Tätigkeiten als Reisender, Siedler und praktischer Kenner der Grenzräume lieferten ihm Stoffe, Milieus und Konflikte. Die Begegnung europäischer Ordnungsvorstellungen mit kolonialer Gewalt und amerikanischer Wildnis prägt auch dieses Buch. Empfohlen sei Semona oder Schwarzes Blut Lesern, die Abenteuerliteratur nicht nur als Unterhaltung, sondern als kulturhistorisches Dokument verstehen möchten. Der Roman bietet erzählerische Energie und zugleich Anlass zu kritischer Lektüre über Rasse, Geschlecht und Macht im 19. Jahrhundert.
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