Sigismund Forster entfaltet als psychologisch geschärfter Gesellschaftsroman ein Bild jener adligen und gebildeten Kreise, in denen Leidenschaft, Standesbewusstsein und moralische Selbstprüfung unablässig aufeinanderstoßen. Ida Gräfin Hahn-Hahn verbindet eine elegante, häufig aphoristisch zugespitzte Prosa mit genauer Beobachtung sozialer Rituale. Im literarischen Kontext von Biedermeier und Vormärz steht der Roman zwischen Salonroman, Charakterstudie und religiös grundierter Gewissensanalyse. Die Autorin, 1805 in Tressow geboren, kannte die Welt, die sie schilderte, aus eigener Erfahrung: aristokratische Herkunft, Reisen durch Europa und den Orient, literarische Berühmtheit und persönliche Krisen prägten ihren Blick auf Freiheit, Liebe und Verantwortung. Ihre Nähe zu zeitgenössischen Debatten über weibliche Selbstbestimmung sowie ihre spätere Hinwendung zum Katholizismus erklären die Spannung zwischen weltlicher Sehnsucht und geistiger Ordnung, die auch diesen Roman durchzieht. Empfohlen sei Sigismund Forster allen Lesern, die den deutschsprachigen Roman des 19. Jahrhunderts jenseits des Kanons erkunden möchten. Das Buch bietet nicht nur historische Atmosphäre, sondern auch eine kluge Untersuchung von Charakter, Gesellschaft und moralischer Entscheidungskraft.
AmazonPagina's: 96, Paperback, Sharp Ink
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