Im heutigen Vietnam, das zwar floriert, aber von starken Ungleichheiten geprägt ist, sind zivilgesellschaftliche Organisationen zu einer unverzichtbaren Kraft bei der Betreuung von Straßenkindern und ihren Familien geworden. NGOs stellen damit das Monopol des Staates im Bereich der sozialen Solidarität in Frage und setzen sich zudem für eine wirksame Anerkennung ihrer Initiativen im Bereich der Sozialarbeit ein. Welcher Art sind die von diesen NGOs initiierten Projekte? Welche beruflichen Konzepte liegen ihren Interventionen bei den Begünstigten zugrunde? Was sagt uns das Eintreten für die Sozialarbeit im politischen Kontext eines noch immer sozialistischen und zentralistischen Regimes? Ist die Straßenarbeit vielleicht Schauplatz eines bürgerlichen Kampfes? Um diese Fragen zu beantworten, wurde über einen Zeitraum von fünf Monaten eine sozio-ethnografische Untersuchung durchgeführt, die sich eng an der Arbeit orientierte, die in mehreren Stadtvierteln von Ho-Chi-Minh-Stadt von den Mitarbeiter*innen der Organisation Th¿o ¿àn initiiert wurde. Die Frage der sozialen Straßenarbeit in Vietnam wird zu einem Fenster, das einen Einblick in die Komplexität der bildungspolitischen, sozialen und politischen Herausforderungen gewährt, die mit den wirtschaftlichen Veränderungen verbunden sind, die das Land seit mehr als dreißig Jahren durchläuft.
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