In "Ulrich Schmidel" widmet sich Robert Lehmann-Nitsche der Gestalt des Straubinger Reisenden und Chronisten, dessen Bericht über die Eroberungszüge am Río de la Plata zu den frühesten deutschsprachigen Zeugnissen der südamerikanischen Kolonialgeschichte zählt. Das Buch verbindet biographische Rekonstruktion, Quellenkritik und kulturhistorische Einordnung. In nüchterner, philologisch präziser Prosa untersucht es nicht nur Schmidels Lebensweg, sondern auch die Entstehung, Überlieferung und Bedeutung seines Reiseberichts im Kontext frühneuzeitlicher Entdeckerliteratur. Lehmann-Nitsche, ein deutsch-argentinischer Anthropologe, Ethnologe und Naturforscher, war durch seine langjährige wissenschaftliche Tätigkeit in Argentinien besonders befähigt, Schmidels Zeugnisse neu zu befragen. Sein Interesse an indigenen Kulturen, kolonialen Kontaktzonen und historischen Quellen Südamerikas dürfte ihn dazu geführt haben, Schmidel nicht bloß als Abenteurer, sondern als wichtigen Beobachter einer konfliktreichen Begegnungsgeschichte zu behandeln. Empfohlen sei dieses Werk allen Leserinnen und Lesern, die frühe Amerikaberichte, deutsche Beteiligungen an der Kolonialgeschichte und die kritische Arbeit mit Reisequellen verstehen möchten. Es bietet keine romantische Heldenerzählung, sondern eine gelehrte, quellennahe Annäherung an eine Schlüsselfigur transatlantischer Geschichtsschreibung.
AmazonPagina's: 32, Paperback, Sharp Ink
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