Immanuel Kants Untersuchung über die Deutlichkeit der Grundsätze der natürlichen Theologie und der Moral ist eine prägnante, vor-kritische Preisschrift, die die methodische Eigenart philosophischer Erkenntnis gegenüber der Mathematik bestimmt. Kant fragt, ob Metaphysik, natürliche Theologie und Moralphilosophie dieselbe Evidenz beanspruchen dürfen wie geometrische Beweise. In nüchtern-analytischem Stil entwickelt er eine frühe Methodenkritik: Begriffe müssen geklärt, Grundsätze nicht bloß demonstriert, sondern auf ihre erkenntnistheoretische Herkunft geprüft werden. Der Autor steht hier an einer entscheidenden Schwelle seines Denkens. Der Königsberger Philosoph, noch vor der Kritik der reinen Vernunft, ringt mit den Ansprüchen des Rationalismus, der Schulmetaphysik und der aufklärerischen Wissenschaftsideale seiner Zeit. Seine Beschäftigung mit Newton, Wolff, Baumgarten und der zeitgenössischen Theologie schärft sein Bewusstsein dafür, dass moralische und theologische Gewissheit nicht einfach nach mathematischem Muster erzeugt werden kann. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Kants spätere kritische Philosophie in ihrer Entstehung verstehen möchten. Es bietet keinen bloßen historischen Vorläufer, sondern einen eigenständigen Beitrag zur Frage, wie Vernunft in Religion und Moral methodisch verantwortet werden kann.
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