William Beckfords Vathek entfaltet die Geschichte des abbasidischen Kalifen Vathek, dessen unersättliche Wissbegier, sinnliche Gier und Machtphantasie ihn vom Palast von Samarra in die unterirdischen Hallen Eblis' führen. Der ursprünglich auf Französisch verfasste Roman verbindet orientalische Erzähltradition, Schauerroman und philosophische Satire. In einer üppigen, bildmächtigen Prosa erkundet Beckford die Verführungskraft des Exotischen und die moralische Katastrophe eines Begehrens, das keine Grenze anerkennt. William Beckford, 1760 in eine der reichsten englischen Familien geboren, war Sammler, Reisender, Ästhet und Außenseiter. Seine Bildung, seine Kenntnis orientalischer Kunst und Literatur sowie seine Faszination für Architektur, Luxus und religiöse Imagination prägen das Werk unverkennbar. Auch Beckfords eigene gesellschaftliche Isolation und sein Hang zu grandiosen Kunstwelten, später sichtbar in Fonthill Abbey, spiegeln sich in Vatheks fieberhafter Suche nach verbotener Erkenntnis. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die den Ursprung der englischen Gothic Novel jenseits vertrauter Burgruinen entdecken möchten. Vathek ist zugleich Gelehrtenfantasie, moralisches Gleichnis und ästhetisches Experiment: ein kurzer, intensiver Text, dessen Pracht und Abgründigkeit bis heute irritieren und faszinieren.
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