Georg Biermanns Vincent van Gogh ist keine bloße Künstlerbiographie, sondern eine konzentrierte kunsthistorische Deutung eines Werkes, das zwischen Spätimpressionismus, Symbolismus und beginnender Moderne steht. Das Buch verfolgt Van Goghs Weg von den dunklen holländischen Anfängen über Paris und Arles bis Saint-Rémy und Auvers und liest Farbe, Linie und pastosen Auftrag als Ausdruck geistiger Spannung. Biermann schreibt zugleich analytisch und emphatisch: Er verbindet genaue Bildbeschreibung mit der zeitgenössischen Frage, wie aus Naturbeobachtung ein autonomes, existentielles Bildgefüge wird. Biermann, Kunsthistoriker, Kritiker und Vermittler moderner Kunst, gehörte zu jener Generation deutschsprachiger Autoren, die Van Gogh früh aus dem Schatten des bloß Exzentrischen lösten. Seine Beschäftigung mit dem Maler erklärt sich aus dem Interesse an künstlerischer Form als seelischer Notwendigkeit und aus den Debatten um Expressionismus, Sammlertum und öffentliche Kunstbildung. So erscheint Van Gogh bei ihm nicht als Legende des Wahnsinns, sondern als historisch bestimmter Erneuerer des Sehens. Empfohlen sei dieses Buch allen, die Van Gogh jenseits populärer Mythen verstehen möchten. Es bietet eine dichte, stilistisch kultivierte Einführung und zugleich ein Dokument der frühen modernen Van-Gogh-Rezeption im deutschen Sprachraum.
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