Vom armen Franischko - Kleine Abenteuer eines Kesselflickers erzählt in episodischer Form vom Unterwegssein eines besitzlosen Handwerkers, dessen Reparaturen, Begegnungen und Missgeschicke ein Panorama sozialer Abhängigkeiten eröffnen. Mauthners Prosa verbindet realistische Milieubeobachtung mit humoristisch-satirischer Zuspitzung; der scheinbar einfache Abenteuerstoff nähert sich der Schelmen- und Volksbuchtradition, wird jedoch durch psychologische Genauigkeit und sprachkritische Sensibilität modernisiert. Als in Prag geborener jüdischer Autor, Journalist und späterer Philosoph der Sprachkritik kannte Fritz Mauthner die Spannungen zwischen Zentrum und Provinz, Bildung und Armut, Mehrsprachigkeit und sozialer Ausgrenzung. Seine publizistische Erfahrung schärfte den Blick für Redeweisen und Machtgesten des Alltags; seine Skepsis gegenüber großen Begriffen erklärt die Aufmerksamkeit für kleine Gesten, Irrtümer und Überlebensklugheit einer Randfigur. Wer Mauthner nur als Theoretiker kennt, entdeckt hier einen Erzähler, der Mitleid ohne Sentimentalität und Komik ohne Herablassung entfaltet. Das Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die kurze, pointierte Prosa des neunzehnten Jahrhunderts schätzen und zugleich die Vorgeschichte moderner Sprach- und Sozialkritik erkunden möchten. Franischkos kleine Abenteuer wirken unscheinbar, doch gerade in ihnen wird gesellschaftliche Ordnung sichtbar.
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