In "Von Wundern und Tieren: Neue naturwissenschaftliche Plaudereien" verbindet Wilhelm Bölsche naturkundliche Beobachtung mit kulturgeschichtlicher Reflexion. Das vermeintliche Wunder erscheint nicht als Bruch der Naturordnung, sondern als Anreiz, genauer hinzusehen: auf tierische Instinkte, Anpassungen, Lebensformen und die poetische Fremdheit des Organischen. Bölsches Stil ist gelehrt und zugleich gesprächsnah; er steht im Kontext der populären Naturwissenschaft um 1900, die Darwinismus, Entwicklungsdenken und literarische Anschaulichkeit miteinander vermittelte. Bölsche, 1861 geboren, war eine der prägenden Stimmen der deutschen Wissenschaftspopularisierung und mit dem naturalistischen Milieu seiner Zeit eng verbunden. Seine Nähe zu monistischen Weltbildern, zur Evolutionslehre und zu den literarischen Reformbewegungen erklärt den Grundton dieses Buches: Natur soll nicht entzaubert, sondern durch Erkenntnis neu verzaubert werden. Als Essayist suchte er zwischen Fachwissenschaft und gebildetem Publikum eine Sprache, die Genauigkeit, Staunen und weltanschauliche Orientierung vereint. Empfohlen sei dieses Buch allen Leserinnen und Lesern, die Naturgeschichte nicht bloß als Sammlung von Fakten, sondern als intellektuelles Abenteuer begreifen. Es bietet historische Einsicht in die Wissenschaftskultur der Moderne und bewahrt zugleich einen erstaunlich lebendigen Sinn für das Rätselhafte im Tierischen.
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