Wartalun entfaltet um seine rätselhaft titelgebende Gestalt eine symbolisch verdichtete Erzählung, in der äußere Handlung und innere Wandlung eng ineinandergreifen. Bonsels verbindet märchenhafte Motive, naturmystische Anschauung und psychologische Beobachtung zu einer Prosa, die weniger auf realistische Milieuschilderung als auf Sinnbilder des Suchens, Leidens und Erkennens zielt. Im Kontext der deutschsprachigen Neuromantik und Lebensphilosophie erscheint das Buch als poetische Gegenrede zu nüchterner Moderne und bloßem Zweckdenken. Waldemar Bonsels, 1880 geboren und vor allem durch Die Biene Maja bekannt, war ein Autor mit ausgeprägtem Interesse an Natur, Religion, Erotik und geistiger Selbstfindung. Reisen, besonders seine Indienerfahrung, sowie die Krisenstimmung des frühen 20. Jahrhunderts prägten seine Vorstellung vom Menschen als Wesen zwischen Trieb, Sehnsucht und metaphysischer Ordnung. Wartalun lässt sich aus dieser Haltung heraus als Versuch lesen, erzählerisch eine höhere Einheit von Leben und Erkenntnis zu suchen. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die literarische Prosa nicht nur als Handlung, sondern als Denk- und Erfahrungsraum schätzen. Wer symbolische Erzählkunst, sprachliche Musikalität und geistige Unruhe sucht, findet in Wartalun ein eigenwilliges, nachklingendes Werk Bonsels'.
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