Mit der Institutionalisierung höherer Musikausbildung gingen seit jeher auch Bestrebungen einher, Zugänge und Abschlüsse durch Zulassungsvoraussetzungen, Prüfungs- und Zertifizierungsverfahren zu regulieren. Das Buch rekonstruiert die Geschichte dieser Regulierungsbestrebungen, deren Ursachen und Folgen, die damit verbundenen Interessen und Debatten vom frühen 19. Jahrhundert bis in die NS-Zeit.Welche Interessen und Hoffnungen verbanden sich mit der Einführung von Zulassungs-, Prüfungs- und Zertifizierungsverfahren? Welche mit ihrer Verhinderung? Welche Rolle spielten dabei staatliche Akteure, Ausbildungsinstitutionen und berufsständische Interessengruppen? In welchem Verhältnis stand die strukturelle Organisation höherer Musikausbildung zu sich wandelnden Auffassungen von staatlicher Kultur- und Bildungspolitik?Zulassung, Prüfung und Zertifizierung erweisen sich dabei als Strukturmerkmale, an deren Entwicklung sich ein grundlegender Wandel des Verhältnisses der Musik zum öffentlichen Bildungswesen ablesen lässt. Ihre Regulierung diente als Hebel, Ausbildung und Berufszugang zu steuern und umzugestalten, erzeugte jedoch auch immer wieder Ambivalenzen und Reibungsflächen zwischen Normierungsbedürfnissen und Verständnissen von Musik als Kunst. Die Geschichte der Musikausbildung erscheint so aus einer neuen Perspektive. In deren Mittelpunkt stehen die rechtlichen und verwaltungstechnischen Rahmenbedingungen, unter denen sich spezifische Vorstellungen von musikalischer Bildung und professioneller Musikausbildung, von Kunst und Kunstlehre sowie von Prüf- und Lehrbarkeit herausbilden konnten.
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