Indische Liebeslyrik versammelt Friedrich Rückerts kunstvolle Übertragungen klassischer Sanskrit-Dichtung von Kalidasa, Bharavi, Amaru, Bhartrihari und Jayadeva. Im Zentrum stehen Liebe, Verlangen, Trennung, Naturbild und religiös grundierte Erotik, besonders im Horizont des indischen ¿¿¿g¿ra, der Ästhetik des Liebesgefühls. Rückerts Sprache verbindet philologische Aufmerksamkeit mit deutscher Verskunst: gereimte Prägnanz, musikalische Strophik und romantische Bildfülle machen diese Texte zu einem Zeugnis des frühen literarischen Kulturtransfers zwischen Indien und Europa. Friedrich Rückert (1788-1866), Dichter, Sprachgelehrter und einer der bedeutendsten Vermittler orientalischer Literaturen im deutschsprachigen Raum, besaß eine außergewöhnliche Begabung für Sprachen und Formen. Seine Beschäftigung mit Persisch, Arabisch und Sanskrit entsprang nicht bloßer Exotik, sondern dem Streben, fremde poetische Ordnungen in der deutschen Sprache produktiv werden zu lassen. Als Gelehrter und Lyriker erkannte er in der indischen Liebesdichtung eine Verbindung von sinnlicher Genauigkeit, metaphysischer Tiefe und formaler Meisterschaft. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die Weltliteratur nicht als Museum, sondern als lebendigen Dialog verstehen. Es bietet Zugang zu großen Stimmen Indiens und zugleich zu Rückerts eigener poetischer Werkstatt. Wer Liebeslyrik, Übersetzungskunst und interkulturelle Literaturgeschichte schätzt, findet hier eine gleichermaßen schöne wie erkenntnisreiche Lektüre.
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