"Indische Liebeslyrik" versammelt poetische Übertragungen, in denen Friedrich Rückert die erotischen, sehnsuchtsvollen und naturgesättigten Stimmen altindischer Dichtung in die deutsche Sprache überführt. Im Mittelpunkt stehen Liebe als geistige Erfahrung, sinnliche Wahrnehmung und kunstvoll verdichtetes Gefühl. Rückerts Stil verbindet philologische Aufmerksamkeit mit musikalischer Formkraft: Reim, Rhythmus und Bildlichkeit machen die fremde Vorlage nicht bloß verständlich, sondern literarisch gegenwärtig. Das Buch steht im Kontext der romantischen und nachromantischen Orient- und Indienrezeption, zugleich aber übersteigt es bloße Exotik durch sprachliche Disziplin und ästhetische Aneignung. Friedrich Rückert, 1788 geboren, war Dichter, Übersetzer und einer der bedeutendsten deutschen Sprachgelehrten des 19. Jahrhunderts. Seine intensive Beschäftigung mit orientalischen und asiatischen Literaturen entsprang nicht nur gelehrter Neugier, sondern auch dem Wunsch, Weltpoesie als gemeinsamen geistigen Raum sichtbar zu machen. Seine Kenntnis zahlreicher Sprachen und seine poetische Virtuosität befähigten ihn, indische Liebesdichtung in ein deutsches Idiom zu übertragen, ohne ihren fremden Glanz ganz einzuebnen. Empfohlen sei dieses Buch allen Lesern, die Liebeslyrik nicht als bloßen Gefühlsausdruck, sondern als Kunstform kultureller Übersetzung verstehen möchten. Es bietet Zugang zu einer poetischen Welt, in der Begehren, Natur und Erinnerung untrennbar verbunden sind, und zeigt zugleich Rückerts Rang als Vermittler zwischen den Literaturen.
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